Welt als Spiel

„Was euch existieren läßt, ist nicht die Kraft eures Begehrens (das energetische und ökonomische Imaginäre des 19. Jahrhunderts), sondern das Spiel der Welt und der Verführung, es ist die Leidenschaft, zu spielen und mit sich spielen zu lassen, die Leidenschaft der Illusion und des Scheins – es ist das, was von außen kommt, von den anderen, aus ihren Gesichtern, was euch verwirrt und überlistet, was euch zwingt zu existieren, es ist die Begegnung mit dem und die Überraschung über das, was vor euch, außerhalb von euch und ohne euch existiert – es ist die wunderbare Exteriorität des reinen Objekts, des reinen Ereignisses, welches sich ereignet, ohne daß ihr etwas dazu beitragt – welche Erleichterung letztendlich – nur darin liegt etwas, was euch verführt: man hat uns viel zu sehr bedrängt, die Ursache aller Dinge zu sein und für alles eine Ursache zu finden. Ein mineralisches Objekt, das Ereignis einer Sonnenwende, ein sinnliches Objekt, eine verwüstete Form – all das verführt euch, denn es hat nichts mit eurer Wunschökonomie zu tun, und es verführt euch, weil der Mensch, der nur in seinem eigenen Wesen existiert, nichts ist und nur existiert, um außerhalb seiner selbst im Spiel der Welt und im Rausch der Verführung geschaffen zu werden.“

Jean Baudrillard, Die fatalen Strategien

Hufeisen

„In der Nähe unseres Ferienhauses in Tisvilde wohnt ein Mann, der hat über der Eingangstür seines Hauses ein Hufeisen angebracht, das nach einem alten Volksglauben Glück bringen soll. Als ein Bekannter ihn fragte: ‹Aber bist du denn so abergläubisch? Glaubst du wirklich, dass das Hufeisen dir Glück bringt?›, antwortete er: ‹Natürlich nicht; aber man sagt doch, dass es auch dann hilft, wenn man nicht daran glaubt.“

Werner Heisenberg via Nils Bohr

Glückliche Kritiker

„Das Vertrauen zum Leben ist dahin: das Leben selbst wurde zum Problem. — Möge man ja nicht glauben, dass Einer damit nothwendig zum Düsterling geworden sei! Selbst die Liebe zum Leben ist noch möglich, — nur liebt man anders. Es ist die Liebe zu einem Weibe, das uns Zweifel macht… Der Reiz alles Problematischen, die Freude am X ist aber bei solchen geistigeren, vergeistigteren Menschen zu gross, als dass diese Freude nicht immer wieder wie eine helle Gluth über alle Noth des Problematischen, über alle Gefahr der Unsicherheit, selbst über die Eifersucht des Liebenden zusammenschlüge. Wir kennen ein neues Glück…“

Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

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