Geld: Fragment C

Sprache und Geld haben viele Gemeinsamkeiten. Sie ähneln sich beispielsweise darin, dass fast alle Menschen sowohl Sprache als auch Geld problemlos verwenden können, obwohl niemand die zugrunde liegenden Mechanismen so richtig versteht.

Sprache und Geld ähneln sich auch darin, dass sie außerhalb der sozialen Situation keine Bedeutung oder Wert haben. Für einen Außenstehenden sind es einfach nur Töne oder Gekritzel im Fall von Sprache. Beim Geld sind es Zettel, Metallstücke oder Zahlen auf einem Bildschirm.

Sprache und Geld erhalten Bedeutung und Wert durch ihre Verwendung innerhalb des sozialen Rahmens. Dass ein Wort eine bestimmte Bedeutung hat, beruht auf zufälliger Geschichte. Ihre Verbindung beruht auf ihrer Verwendung und im Lauf der Zeit kann sich die Bedeutung eines Wortes ändern. Ähnlich verhält es sich bei Geld und Wert. Der Wert eines Euro bemisst sich danach, was ich dafür kaufen kann. Auch das ändert sich ständig und ist von der Situation abhängig.

Sprache und Geld werden zum Fetisch, wenn man sie für unveränderliche Dinge hält, die außerhalb sozialer Handlungen ein fest umrissene Wirklichkeit besitzen. Die Bedeutung von Worten scheint für immer und überall im Lexikon festgelegt zu sein, anhand der dann der richtige oder falsche Gebrauch für jede denkbare Situation beurteilt werden kann. Doch Sprache ist lebendige Praxis, voller Zweideutigkeiten und ständigen Wandlungen unterworfen. Genauso ist der Wert eines Euro und was ich dafür bekomme nicht immer und überall gleich. Was ich mit einem Euro machen kann, hängt davon ab, wer ich bin, wo ich bin und in welcher Form er mir vorliegt.

Weder Sprache noch Geld sind für alle immer und überall gleich. David Boyle schreibt, dass dies die große Ungerechtigkeit im Herzen des Geldsystems ist. Für manche Menschen ist Geld flexibel und unsichtbar, für andere ist es furchtbar konkret. Einige Menschen können die Regeln verschieben und in ihrem Sinne nutzen, andere sterben an ihnen.

Geld: Fragment B

Wann lernen Kinder, wie Geld funktioniert? Die Regeln des Eigentums werden vermutlich im Umgang mit Spielzeug eingeübt. Aber irgendwann folgt die Einsicht, dass die Grenzen des Eigentums verschoben werden können, indem man für Dinge bezahlt. Diese Lektion wird heutzutage wohl meistens im Supermarkt vermittelt.

„Jedermann weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, daß die Waren eine mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte höchst frappant kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen – die Geldform.“ (Karl Marx, Das Kapital)

Möglicherweise stellt der Umgang mit Geld das allgemeinste Wissen und die wichtigste Alltagskompetenz in der Gesellschaft der Gegenwart dar. Solange man es noch schafft, an der Supermarktkasse zu bezahlen, kann man stinken und laut mit sich selber reden. Wer nicht einkaufen kann, weil er kein Geld hat oder aus anderen Gründen nicht die Rolle des Kunden einnehmen kann, ist wahrhaft ausgegrenzt, umgeben von einer Fülle verführerischer Angebote, die für andere gedacht sind.

Geld: Fragment A

Warum finde ich das Thema Geld so interessant? Weil es eine alltägliche Selbstverständlichkeit ist, die anscheinend keine Erklärung braucht. Doch wenn man darüber nachdenkt, liest und spricht, wird schnell klar, dass Geld eine ziemlich rätselhafte Sache ist, über die niemand so richtig Bescheid weiß. Es scheint, als verstehen es alle so ungefähr, jedenfalls gut genug um damit umzugehen. Gleichzeitig geht man davon aus, dass andere Leute, irgendwelche Volkswirtschaftler oder andere Experten, genau wissen, wie das mit dem Geld eigentlich funktioniert.

Nach jahrelanger Lektüre wage ich zu sagen: Das ist nicht der Fall. Geld ist eine menschliche Erfindung und einer der wichtigsten Aspekte unserer Gesellschaft, aber es herrscht keine Einigkeit darüber, was es ist, wie es funktioniert und was wir da genau tun.

Dass scheinbare Offensichtlichkeiten wie Geld bei genauerer Betrachtung schnell seltsam werden, fasziniert mich ungemein. Wechseln wir den Blickwinkel, wird unser Alltag magisch und wir können sehen, wie begrenzt wir unser eigenes Zusammenleben überhaupt verstehen.

Thomas Reuter

But what are the hidden drivers of petrol addiction in mainstream society, where poverty is not an issue? The attraction seems to lie in the possibility of artificially enhancing the amount of energy or life force we can command for the purpose of mobility, mechanised mass manufacturing, food production, etc.  An abundant supply of cheap energy increases our ability to manipulate, control and consume the objective world and thus artificially enhances our sense of being alive. This additional life force is not authentic, however, and comes at the cost of alienation. It is borrowed from petroleum and coal, which are fossilised hydrocarbons produced by prehistoric plants that have been outside the active carbon cycle of our planet for millions of years.

Thomas Reuter