Krähen

Wir essen Platik bei der Tonne und
Es schmeckt uns langsam, man gewöhnt sich schon
Sehr bunt und immer gibt’s genug davon
Auch die Gedärme werden kaum noch wund

Wir merken, es wird wärmer, und der Dampf
hat diesen säuerlichen Salzgeschmack
Riecht nach Maschinenfett, nach neuem Lack
Und irgendwo da stirbt etwas im Krampf

Die Jungen werden richtig groß und dick
Dank langer Polymere alles schick
Wir hängen ab und warten auf den Schmaus

Kein Strom und kein Empfang, man hört Gekreisch
Dann gibt’s ne Weile nur noch Menschenfleisch
Wir Krähen hacken uns die Augen aus

Ritual Illusion

Definitions, wether of self or the other, are always dialectical. Ritual attempts to fix them, but life – the real, the natural – belies ritual. And so rituals must be reproduced in life and words. It is perhaps our longing for the fixed, the real collapsed into the symbolic, nature collapsed into ritual, that has led us in the west to see such rites as rites of passage, rites of smooth and continuous transition from one state to another, rather than as violent rites of disjunction that are in essence, and perhaps in function, purposefully disjunctive.

[…]

We should respect in the Other the same mystery we expect others to respect in ourselves. This too is a social fact.

Vincent Crapanzano, Tuhami

Neo-rentier class

Der Ökonom Michael Hudson beschreibt die Rückkehr der Rentiers in den letzten 40 Jahren.

To defend this economic counter-revolution, the National Income and Product Accounts (NIPA) and Gross Domestic Product (GDP) measures now used throughout the world were inspired by opposition to progressive taxation and public ownership of land and banks. These statistical measures depicting finance, insurance and real estate as the leaders of wealth creation, not the creators merely of debt and rentieroverhead.

Physik

Diese [naturwissenschaftlichen] Idealisierungen kann man auch als einen Teil der menschlichen Sprache bezeichnen, die durch das Wechselspiel zwischen der Welt und uns selbst gebildet worden ist, eine menschliche Antwort auf die Forderungen der Natur.

Werner Heisenberg, Physik und Philosophie

Geld: Fragment K

In der Lesart von Marx ist Geld vor allem der Anspruch auf die direkte und indirekte Arbeit anderer. Wer genug Geld hat, kann die Ergebnisse unglaublich langer und verzweigter Produktionsketten kaufen und Leute dazu bringen, Dinge zu tun, die sie nur für Geld tun würden. So ist Geld ein Mittel, um das Verhalten anderer zu beeinflussen, was der Auffassung Foucaults von einer Technik der Macht entspricht.

Dass Geld Macht bedeutet, wissen wir alle und der Umstand muss eigentlich nicht lange von diesem und jenem Autor hergeleitet werden. Doch die krasse Unterdrückung und die zahllosen Ungerechtigkeiten, die mit dem Geldsystem einhergehen, werden oft ausgeblendet, vor allem wenn wir uns vorstellen wollen, dass unsere Gesellschaft eigentlich gar nicht so schlecht ist. Daher kann die Anrufung einiger Ahnväter der schonungslosen Analyse nicht schaden.

Der Zusammenhang von Geld und Macht wird vielleicht im Begriff des Vermögens am allerdeutlichsten. Geld zu haben öffnet die Welt, dafür muss es noch nicht einmal ausgegeben werden. Allein die Tatsache, es zur Verfügung zu haben und damit alles Mögliche machen zu können, verleiht eine alltägliche Sicherheit, die man wohl erst so richtig bemerkt, wenn sie weg ist. Ein volles Bankkonto beeinflusst nicht nur, was dann letztendlich auch gekauft wird, sondern auch die Haltung gegenüber den anderen Menschen und die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns durch die Welt bewegen.

Im umgekehrten Fall verengen Schulden die Zukunftsmöglichkeiten ganz entscheidend. Eine Pflicht muss abgetragen werden oder es droht Bestrafung, jedenfalls wenn es sich um Beträge handelt, mit denen Einzelpersonen zu tun haben. Für Staaten, Banken und Unternehmen gelten andere Regeln. Doch wer als Einzelner verschuldet ist, etwas zu verlieren hat und andere versorgen möchte, muss sich fügen.