Geld: Fragment G

Ist es vorstellbar, dass jemand ausschließlich soziale Beziehungen hat, die über Geld geregelt werden? Mit einem Arbeitsplatz, einem bereits bestehenden Vermögen oder staatliche Leistungen sind die Mittel da, um warm zu wohnen und zu essen. Alle möglichen kostenpflichtigen Mediendienste bieten Ablenkung. Gastronomie und andere Erlebnisorte wie Fitnessstudio oder Museum sind alle für einen Preis zu haben. Alle möglichen Drogen können für gute Stimmung sorgen. Psychotherapie bietet ein offenes Ohr, Massage und Prostitution den erwünschten Körperkontakt.

Kurz, jemand der keinerlei Beziehung zu Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten pflegt, keine Vereinsaktivitäten, Ehrenämter, politisches Engagement oder ähnliches verfolgt und alle Kontakte außerhalb von geldvermitteltem Austausch meidet.

Das ist nicht nur vorstellbar, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es gar nicht so wenige dieser letzten Menschen des Kapitalismus gibt. Theoretiker wie Karl Polanyi gingen davon aus, dass eine Gesellschaft, die ausschließlich aus solchen Menschen besteht, nicht tragfähig wäre, dass es einen sozialen Kitt aus langfristigen Beziehungen brauche, die über finanzielle Transaktionen hinausgehen. Die These ist zumindest bisher noch nicht widerlegt.