Archiv der Kategorie: Geld

Finanzorakel

Was sagen Börsenkurse und Zinssätze über die Wirtschaft und ihre Zukunft aus? Auf der einen Seite viel weniger, als all die Analysten und Kommentatoren uns glauben machen wollen. Andererseits sehr viel, wenn die Diagnosen sich als selbsterfüllende Prophezeiungen bewahrheiten. Doch das kann man vorher nicht wissen. Dieser Kommentar fasst es passend zusammen:

Followers of financial market oracles do not think of themselves as superstitious. Rather, they think they are deciphering arcane coded messages. It is a tricky business, with a self-referential twist.

Neo-rentier class

Der Ökonom Michael Hudson beschreibt die Rückkehr der Rentiers in den letzten 40 Jahren.

To defend this economic counter-revolution, the National Income and Product Accounts (NIPA) and Gross Domestic Product (GDP) measures now used throughout the world were inspired by opposition to progressive taxation and public ownership of land and banks. These statistical measures depicting finance, insurance and real estate as the leaders of wealth creation, not the creators merely of debt and rentieroverhead.

Geld: Fragment K

In der Lesart von Marx ist Geld vor allem der Anspruch auf die direkte und indirekte Arbeit anderer. Wer genug Geld hat, kann die Ergebnisse unglaublich langer und verzweigter Produktionsketten kaufen und Leute dazu bringen, Dinge zu tun, die sie nur für Geld tun würden. So ist Geld ein Mittel, um das Verhalten anderer zu beeinflussen, was der Auffassung Foucaults von einer Technik der Macht entspricht.

Dass Geld Macht bedeutet, wissen wir alle und der Umstand muss eigentlich nicht lange von diesem und jenem Autor hergeleitet werden. Doch die krasse Unterdrückung und die zahllosen Ungerechtigkeiten, die mit dem Geldsystem einhergehen, werden oft ausgeblendet, vor allem wenn wir uns vorstellen wollen, dass unsere Gesellschaft eigentlich gar nicht so schlecht ist. Daher kann die Anrufung einiger Ahnväter der schonungslosen Analyse nicht schaden.

Der Zusammenhang von Geld und Macht wird vielleicht im Begriff des Vermögens am allerdeutlichsten. Geld zu haben öffnet die Welt, dafür muss es noch nicht einmal ausgegeben werden. Allein die Tatsache, es zur Verfügung zu haben und damit alles Mögliche machen zu können, verleiht eine alltägliche Sicherheit, die man wohl erst so richtig bemerkt, wenn sie weg ist. Ein volles Bankkonto beeinflusst nicht nur, was dann letztendlich auch gekauft wird, sondern auch die Haltung gegenüber den anderen Menschen und die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns durch die Welt bewegen.

Im umgekehrten Fall verengen Schulden die Zukunftsmöglichkeiten ganz entscheidend. Eine Pflicht muss abgetragen werden oder es droht Bestrafung, jedenfalls wenn es sich um Beträge handelt, mit denen Einzelpersonen zu tun haben. Für Staaten, Banken und Unternehmen gelten andere Regeln. Doch wer als Einzelner verschuldet ist, etwas zu verlieren hat und andere versorgen möchte, muss sich fügen.