Interpassivität

In diesem Artikel des kürzlich verstorbenen Mark Fisher bin ich über den Begriff der „Interpassivität“ gestolpert.

They typically respond to this freedom not by pursuing projects but by falling into hedonic (or anhedonic) lassitude: the soft narcosis, the simstim eternity, the comfort food oblivion of Playstation, all-night TV and marijuana. Capital’s interpassive nihilism.

Der Wikipedia-Eintrag zu dem Begriff zeigt seine unterschiedliche Auslegung und Anwendung. Er kann darum kreisen, dass in vermeintlich „interaktiven“ multimedialen Formen nur ein sehr eingeschränkter Rückkanal eingebaut ist und sie in erster Linie doch auf passive Konsumenten ausgerichtet sind.  Oder, in der weiteren Verwendung, um eine Verschiebung des Genießens auf den „großen Anderen“, einen imaginierten naiven Zuschauer. Diese Verschiebung wird von vielen Kommentatoren als ein Merkmal unserer zwangshedonistischen Zeit gesehen, in der das Verbot weniger wichtig ist als der Befehl zum Genuss.

KPI

There’d be established foetal standards soon, so that you could feel pressurized and backwards if your fingers hadn’t separated fully by the third trimester. Academic stress-related pre-birth suicides would become commonplace, the depressed embryos hanging themselves with their umbilical cords, farewell notes scratched onto the placenta.

Alan Moore, Jerusalem

Lebende Systeme

Ein Artikel, der zeigt, wie sehr die Bedeutung der DNA von vielen Biologen und in der weiteren Gesellschaft überschätzt wird. Durch die Konzentration auf die DNA treten komplexe Systemzusammenhänge in den Hintergrund. Warum ist das so? Zum einen, weil die DNA-Moleküle zu den dauerhaftesten und stabilsten Strukturen einer Zelle gehören. Daher können sie verhältnismäßig leicht isoliert und studiert werden. Zum anderen, weil die Kür einer einzelnen Molekülgruppe als zentrale Steuereinheit dem „fundamentalistischen Reduktionismus“ entgegen kommt und bürokratischen Vorlieben entspricht.

Weiterhin wird die These angesprochen, dass Leben eine direkte Folge der Thermodynamik sein könnte. Davon handelt auch dieser Artikel, der Lebewesen vor allem als Informationsspeicher porträtiert, die versuchen, Voraussagen über die Welt zu treffen. Da die Menschen, vermutlich im Gegensatz zu den anderen Tieren, von ihrer Sterblichkeit wissen, scheinen wir in dieser Hinsicht eine ganz besonders starke Leistung zu bringen. Vielleicht zu stark?

Jedenfalls sei die Entstehung lebender Systeme möglicherweise mehr ein physikalischer als ein historisch-biologischer Effekt. Dann wäre Leben die spielerische Norm und nicht die Ausnahme.

There’s a corollary to this apparent urge for energy-efficient, organized, predictive systems to appear in a fluctuating nonequilibrium environment. We ourselves are such a system, as are all our ancestors back to the first primitive cell. And nonequilibrium thermodynamics seems to be telling us that this is just what matter does under such circumstances.