Psychose: Computer-Chip im Kopf

Hier ein etwas längerer Textschnipsel aus einem noch längeren unveröffentlichten Text:

„Ich hatte dann die Stimmen von allen meinen Kumpels im Kopf. Die haben alles, was ich gedacht habe, abfällig kommentiert. Ich dachte auch, ich hätte einen Chip im Kopf, mit dem meine Gedanken gelesen werden können. Die konnten mich auch damit ausschalten. Ich dachte, wenn der Chip raus ist, bin ich ein besserer Mensch, viel leistungsfähiger. Das hat sich so echt angefühlt.“

Dieses Zitat stammt von einem jungen Mann, der unter dem Einfluss von Crystal Meth und Cannabis immer wieder psychotische Episoden erlebt hat. Es steht für eine verbreitete Tendenz: Vorstellungen von Computer-Chips, Antennen oder Mikrofonen, die im Gehirn verbaut wurden, sind wiederkehrende Themen in den Berichten zeitgenössischer Psychosen. In einer Zeit der verirrten Metaphern, die zwischen Technologie und Organismus nicht klar unterscheiden – etwa wenn das Gehirn als ein Prozessor bezeichnet wird, oder Computer von Viren befallen werden – mag das nicht sehr überraschend sein. Doch wie lange gibt es das schon? Dies ist eine Frage, der ich nachgehen möchte.

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Witness the fitness

Gestern die Performance My Body is the Field for Tomorrow’s Battles gesehen.

Aktuelle Fitness-Bewegungen kombinieren unterschiedlichste Körperpraktiken, um nicht weniger als folgendes Ziel zu erreichen: Auf alles vorbereitet zu sein. Welche Zukunftsvisionen, Ideologien und Rollenbilder verstecken sich hinter diesem Anspruch? Eine Armee durchtrainierter Frauen, die bereit sind, ihre Körper einzusetzen, aber nicht genau wissen wofür, wird auf der Bühne um die Antwort auf diese Fragen kämpfen.

Zufällig gleichzeitig diesen Text über den Befehl zum Genießen in der Postmoderne gelesen. Dort wird Zygmunt Baumanns Konzept von Fitness erwähnt.

Bauman describes fitness as being even more oppressive than health when it comes to social standards for compliance, as Žižek describes the maternal superego as being even more oppressive than the paternal superego. This is because fitness is problematic in three ways: there is no upper limit to fitness (thus its status as an ever-receding horizon), fitness can be neither objectively measured nor effectively communicated, and finally the subject assumes the individual responsibility for playing both the role of he who experiences sensations and he who measures sensations, paradoxically requiring that the subject experience sensation from both a subjective position and from the objective position of an external observer. Given this state of affairs, Bauman provides a grim prognosis: “Added to the two previously signaled troubles, that additional worry makes the plight of the fitness-seeker an agony of which our health-conscious ancestors had no inkling. All three troubles daily generate a great deal of anxiety; what is more, however, that anxiety – the specifically postmodern affliction – is unlikely ever to be cured and stopped.” Here, Bauman explicitly links anxiety to fitness and postmodern technologies of seduction; anxiety is the result of the postmodern subject’s inevitable inability to live up to the hedonistic social demands for enjoyment. The postmodern subject continuously suffers from the “fear that some precious kinds of sensation have been missed and the pleasure-giving potential of the body has not been squeezed to the last drop.”

Very clever

Denn gerade die Klugen lieben es, bei der Begründung der Dinge den gebrechlichen Dingen beizuspringen und sie gesund und wahr erscheinen zu lassen. Wenn daher dieser Scharfsinnige etwas sagt, so wissen wir nicht, ob er es so sagt, wie sich die Sache von Natur verhält, oder ob er etwas Falsches als wahr hinstellt und uns überredet, wie über etwas Wahres darüber zu denken. Weil er klüger ist als alle Menschen, kann er von uns nicht widerlegt werden. Auch ihm werden wir also nicht zustimmen, als beurteile er die Dinge wahrheitsgemäß, weil wir einerseits zwar glauben, er sage die Wahrheit, andererseits aber auch meinen, daß er wegen des Übermaßes an Scharfsinn mit der Absicht spreche, die falschen Dinge als wahr darzustellen. Deswegen darf man bei der Beurteilung der Dinge auch dem nicht glauben, der der Scharfsinnigste von allen zu sein scheint.

Sextus Empiricus, Grundriß der pyrrhonischen Skepsis

Grüne Revolution

Neulich hatte ich es schon vom Weizen und Ägypten. Hier ein Artikel über Weizenanbau in Indien und Mexiko vor dem historischen Hintergrund der „Grünen Revolution“.

There may be a mountain of food available, but access to food is only based on the entitlements that people have, to be able to exchange for food. This is one of the reasons, among others, that explains the bitter irony that Indians have remained food insecure despite all this bumper wheat production. Malnutrition levels in 2005 continued to remain horrific – three out of five children under five, or nearly 60%, were found to be chronically malnourished (two standard deviations below normal) by the National Family Health Survey.